NP van Wyk Louw – vertaling in Duits

NP van Wyk Louw– vertaal deur Robert Schall

 

XII.  Mai-fest in Amsterdam

 

Der Erste Mai ist weiß und blau

und jede blüte lacht

und jedermann hat seinen hund

hier in den park gebracht

um unter dieser lauen luft

zu kacken wo er will,

doch ich sing leise vormichhin:

mein fest ist im April.

Ich feire es für die finsteren

die von der fülle zehren,

wie ehepaare die sich kühl

dem doppelbett zukehren;

die Wahrheit ist schon älter:

unser wort wogt und wird still;

mein wort war nie die wahrheit:

mein fest ist im April.

 

Ich feire es feuchter als das fest

von ‘Tristan’, ‘Lanzelot’! –

sie, die dem kitzel der hormone

getreu warn bis zum tod.

Unser bestes ist recht ordinär.

Gott hat ein kodizil:

ein narr kann noch zum klügsten werden:

mein fest ist im April.

 

Dies feire ich hier im lokal

das dunkel wird von wein

mit meinen zähnen weiß von milch

und milch ist neu und rein:

ich preise wer des samens kraft

bloß im gebet verspielt

vom Mai kehr singend ich zurück:

mein fest ist im April.

 

(XII. Mei-fees inAmsterdam. Uit: NP van Wyk Louw. Tristia, Human & Rousseau, 1975)

 

 

XXVI.  Tausend töchterchen hab ich

 

Tausend töchterchen hab ich

mädelchen mit hellebärdchen

unter tausend nädelchen

brennen hunderttausend herdchen

 

rotschopf steht bei ihrem rot:

kann wie Luther auch nicht anders:

rotbuschtee für ächselchen

rotbart-rotbarett auf wacht

rot-mit-eleganz vorm tor

 

schwarzkopf hat was andres vor

schließt mit blaubart den akkord

könig? kaiser? kappuziner?

liaison in seidenhose

schnurr-und-schwarz-bart vor dem port.

 

(XXVI. Duisend dogtertjies het ek. Uit: NP van Wyk Louw. Tristia, Human & Rousseau, 1975)

 

 

XXXIX.  Karoo-Dorf: Sommerabend

 

Der Nachmittag ist Rahm geworden

und Züge die fern rattern

und ein weiß-brauner Wächterling

hält Wacht auf seinen Gattern

 

und Rauch der aus der Siedlung raucht

und beim Dorfsteich Sang

und Leute in Tenniskleidern gehn

am Abendrot entlang

 

da … weit weg auf der Autobahn

fahrn Autos fast unhörbar, fahl;

Ohm-Appie-Schlachtkraals altes Rad

kommt, stellt sich selbst, müd, vor’s Lokal:

 

Die-Tante-mit-dem-Krebs kommt raus

sitzt auf dem Bänkchen vor dem Heim:

heut Abend hören wir sie noch

zum Herrgott und den Eulen schrein.

 

(XXXIX. Karoo-dorp: someraand. Uit: NP van Wyk Louw. Tristia, Human & Rousseau, 1975)

 

 

LXVI.  Satan-Helios

 

Auf die Kraalmauer ist plötzlich

ein schwarz gescheckter Ziegenbock gesprungen;

behende aus dem Steinkraal hochgefedert

hat er lässig seine Klauen auf den Stein gesetzt,

sich nur ein wenig umgeschaut, mit schiefem Bart

sein Kaugummi im Maul zurechtgeknetet;

dann mit rauhen Knien sich auf der Mauer hingekniet

und in den Schein der Mittagsglut gebetet.

 

(LXVI. Satan-Helios. Uit: NP van Wyk Louw. Tristia, Human & Rousseau, 1975)

 

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